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Warum wollen plötzlich alle Muslimas Naturstoffe?

7 Gründe, warum Naturfasern gerade den Hijab-Markt auf den Kopf stellen

1. Weil wir kein Bock haben, vergiftet zu werden

Die meisten Hijabs und Abayas auf dem Markt bestehen aus Polyester. Polyester ist kein Naturmaterial. Es ist ein Kunststoff, der aus fossilen Rohstoffen hergestellt wird und in der Textilindustrie extrem weit verbreitet ist. Bei der Herstellung und Ausrüstung von Textilien können außerdem unterschiedliche Chemikalien eingesetzt werden. Je nach Produkt und Verarbeitung können darunter beispielsweise bestimmte PFAS, Phthalate, Bisphenole oder Formaldehyd fallen. Mal ehrlich: Wenn ich die Wahl habe zwischen Kunststoff auf meinem Kopf und einer guten Naturfaser, warum sollte ich nicht einmal genauer hinschauen? Und genau das tun immer mehr Frauen.

2. Weil Umweltschutz Ehrensache ist

Jetzt kommt der Teil, über den wir beim Shoppen nicht so gerne nachdenken. Ein Hijab kostet vielleicht 10 Euro, manchmal sogar weniger. Aber sein ökologischer Fußabdruck endet nicht an der Kasse. Polyester ist nicht biologisch abbaubar und kann über sehr lange Zeit in der Umwelt bestehen bleiben. Beim Waschen können synthetische Textilien außerdem Mikroplastik freisetzen, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen.

Stell dir vor: Jeder Polyester Hijab, der jemals produziert worden ist, befindet sich noch auf dieser Welt! Es braucht nämlich über 500 Jahre, bis Polyester sich zersetzt. Es gibt sogar eine ganze „Plastikinsel“ im Ozean. Der Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik zwischen Hawaii und Kalifornien ist über 1,6 Millionen Quadratkilometer groß (mehrere Male so groß wie Deutschland). Dort treiben Billionen von Plastikteilen, von großen Netzen bis zu unsichtbarem Mikroplastik.

Und dann denk einmal an die Millionen Hijabs und Abayas, die jedes Jahr produziert werden. Vielleicht ist „einfach neu kaufen“ doch nicht ganz so harmlos, wie es sich beim Checkout anfühlt.

3. Weil Polyester = Sauna

Wir müssen darüber reden. Polyester. 35 Grad. Hijab. May Allah have mercy! Synthetische Stoffe können sich bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit unangenehm anfühlen. Naturfasern wie Baumwolle können dagegen Feuchtigkeit aufnehmen und werden deshalb von vielen Menschen gerade bei warmem Wetter als angenehmer empfunden. Und das macht bei einem Hijab einen ziemlich großen Unterschied. Denn dein Kopftuch sitzt nicht irgendwo an deinem Ellenbogen. Es sitzt auf deinem Kopf. Den ganzen Tag. Besonders wenn du unterwegs bist, Kinder hast, arbeitest, betest, einkaufst und danach noch schnell „nur eine Sache“ erledigen wolltest, bevor du drei Stunden später wieder zu Hause bist. Du weißt, was ich meine. 😂

4. Weil die beste Skin Care nichts bringt, wenn du deine Kleidung ignorierst

Wir geben Geld für Shampoo, Conditioner, Haaröle und Skincare Produkte aus. Und dann wickeln wir unsere Haare jeden Tag stundenlang in irgendeinen Stoff und fragen uns nicht einmal, was das Material macht. Dabei kann Kleidung bei empfindlicher Haut durchaus eine Rolle spielen. Reibung, Wärme und Feuchtigkeit können Hautbeschwerden verschlimmern. Wenn etwas jeden Tag direkt auf deiner Haut liegt, darfst du dir Gedanken darüber machen. Und Naturfasern können hier eine sehr schöne Alternative sein. Besonders spannend sind Materialien wie Seide, die eine sehr glatte Oberfläche besitzt und deshalb traditionell auch für die Haarpflege geschätzt wird. Vielleicht brauchst du also nicht noch ein Haarserum. Vielleicht brauchst du einfach einen Hijab, der deine Haare nicht behandelt wie eine Aliexpress-Retoure.

5. Weil Naturfasern Tradition sind

Und jetzt wird es interessant. Polyester ist neu. Naturfasern sind es nicht. Baumwolle, Wolle, Leinen und Seide begleiten die Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden. Und auch in unserer Tradition finden wir Kleidung aus natürlichen Materialien. In einer Überlieferung bei Abu Dawud wird beispielsweise berichtet, dass dem Propheten feines ägyptisches Leinen gebracht wurde und er daraus ein Kleidungsstück für sich und ein Gewand für seine Frau machen ließ. Man könnte sich also tatsächlich die Frage stellen, ob Naturstoffe einfach normal sind?

Fun fact: Früher wurde Leinen auch in Krankenhäusern aufgrund seiner antibakteriellen und heilenden Eigenschaften genutzt.

6. Weil wir verstehen, dass unser Geld Macht hat

Für viele von uns verändert sich gerade etwas. Wir fragen nicht mehr nur: „Ist diese Abaya schön?“ Sondern auch: „Wer hat sie gemacht?“ Denn wenn wir unser Geld ausgeben, unterstützen wir damit Unternehmen. Und immer mehr Muslimas möchten keine Geschäftsmodelle unterstützen, die Menschen ausbeuten, Arbeiter unfair bezahlen oder ihre Kleidung unter Bedingungen produzieren, die sie selbst niemals akzeptieren würden. Deshalb wächst auch das Interesse an transparenten Lieferketten, fairer Produktion und bewussterem Konsum. Das ist für uns keine politische Modeerscheinung. Es ist Teil einer viel älteren islamischen Idee: Verantwortung.

7. Weil "erlaubt" nicht das Ende der Frage ist

Jetzt wird’s heiß. Ein Polyester-Hijab kann selbstverständlich erlaubt sein. Doch vielleicht geht es noch um viel mehr. Wenn wir unsere Nahrung hinterfragen, schauen wir auf Zutaten. Wenn wir Kosmetik kaufen, schauen wir auf Inhaltsstoffe. Wenn wir Medikamente nehmen, wollen wir wissen, was darin steckt. Warum sollte bei unserem Hijab plötzlich das Etikett „100 % Polyester“ reichen?

Vielleicht dürfen wir als Muslimas auch bei Kleidung bewusster werden. Nicht weil Polyester automatisch haram wäre. Sondern weil wir die Möglichkeit haben, es besser zu machen.

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